Bundestracker

Methodik

Was Bundestracker misst, was es nicht misst und woher jede Zahl stammt.

Bundestracker zählt, was der Bundestag selbst veröffentlicht: Anträge, Reden, Anfragen, namentliche Abstimmungen, Ausschusssitze. Jede Zahl auf dieser Seite lässt sich auf ein Dokument zurückführen. Was sich nicht zählen lässt, wird auch nicht geschätzt — es fehlt, und diese Seite sagt, was fehlt.

Was gezählt wird

Der Aktivitätswert ist eine gewichtete Summe aus sieben Komponenten. Die Gewichtung ist eine Setzung, keine Wertung: Die sieben Größen werden in verschiedenen Einheiten gemessen — Wörter, Dokumente, Sitze, eine Quote — und die Gewichte sind die Umrechnungsfaktoren, die sie auf eine Skala bringen. Sie sind einstellbar; angemeldete Leser:innen speichern eigene.

AnträgeStandardgewicht: 5,00
Anträge und Entschließungsanträge, aus den DIP-Aktivitäten der Abgeordneten.
Redebeiträge (Wörter)Standardgewicht: 0,01
Im Plenum gesprochene Wörter, aus dem Protokoll-XML — nicht die Anzahl der Wortmeldungen.
AnfragenStandardgewicht: 3,00
Kleine und Große Anfragen an die Bundesregierung.
BerichteStandardgewicht: 4,00
Berichte, aus denselben DIP-Aktivitäten. Die dünnste der sieben Komponenten.
AbstimmungsteilnahmeStandardgewicht: 100,00
Anteil der namentlichen Abstimmungen, an denen abgestimmt wurde. Enthaltung zählt als Teilnahme.
AusschüsseStandardgewicht: 2,00
Ausschussmitgliedschaften der laufenden Wahlperiode.
GesetzentwürfeStandardgewicht: 5,00
Mitgezeichnete Gesetzentwürfe.

Die Gewichte sind der einzige nicht aus den Daten abgeleitete Teil der Berechnung. Sie stehen deshalb hier, auf jedem Profil neben ihrer Komponente, und lassen sich verändern. Ein Gesamtwert ohne seine Bestandteile wäre ein Urteil; mit ihnen ist er eine Rechnung.

Abstimmungsteilnahme umfasst nur namentliche Abstimmungen. Alle übrigen Abstimmungen werden nicht personenbezogen protokolliert.

Ausschussdaten liegen nur für die laufende Wahlperiode vor; für frühere Perioden ist der Wert 0, weil nichts veröffentlicht wurde.

Redebeiträge werden nach Wörtern gewichtet, nicht nach Anzahl der Wortmeldungen.

Was der Wert nicht erfasst

Ein niedriger Wert heißt „wenig erfasst“, nicht „wenig gearbeitet“. Vier große Bereiche parlamentarischer Arbeit hinterlassen in den offenen Daten keine oder kaum Spuren — sie fehlen nicht versehentlich, sondern weil über sie nichts maschinenlesbar veröffentlicht wird.

Ausschussberatungen
Die inhaltliche Arbeit an einem Gesetz findet in den Ausschüssen statt, und deren Sitzungen sind in der Regel nicht öffentlich. Veröffentlicht wird, wer in einem Ausschuss sitzt — nicht, was dort gesagt, verhandelt oder durchgesetzt wurde. Bundestracker zählt deshalb Sitze und kann über die Beratung selbst nichts sagen.
Wahlkreisarbeit
Bürgersprechstunden, Termine im Wahlkreis, Briefe, Vermittlung gegenüber Behörden: Nichts davon wird zentral erfasst. Ein Mandat, das den Schwerpunkt hier setzt, erscheint in diesen Daten als still.
Regierungs- und Parlamentsämter
Ein Ministeramt oder ein Sitz im Präsidium verändert, was jemand tut, nicht wie viel: Regierungsmitglieder antworten auf Anfragen, statt sie zu stellen, und eine Sitzungsleitung ist keine Rede. Der Wert misst das als weniger, obwohl es nur anderes ist.
Fraktions- und Parteiarbeit
Arbeitsgruppen, Fraktionssitzungen, Verhandlungen zwischen den Fraktionen und die Abstimmung von Positionen finden vor dem statt, was am Ende als Dokument erscheint — und sind an keinem Dokument ablesbar.

Ein niedriger Wert heißt „wenig erfasst“, nicht „wenig gearbeitet“: Ausschussberatungen, Wahlkreisarbeit und Regierungsämter hinterlassen in den offenen Daten kaum Spuren. Verglichen werden außerdem Gesamtwerte — wer erst im Lauf der Wahlperiode nachgerückt ist, hatte weniger Zeit, einen zu sammeln; die Rangliste „Aktivität je Monat im Amt“ rechnet das heraus. Nur bewertete Mandate erscheinen hier.

Der Aktivitätswert misst deshalb die *dokumentierte* parlamentarische Tätigkeit eines Mandats. Er ist kein Maß für Fleiß, Einfluss oder Qualität, und die Rangfolge zweier Abgeordneter mit ähnlichen Werten sagt nichts über den Unterschied zwischen ihnen.

Datenquellen

Drei Quellen, alle öffentlich zugänglich. Die ersten beiden stammen vom Bundestag selbst, die dritte ist eine gemeinnützige Datenbank und steht unter CC0.

DIP — Dokumentations- und Informationssystem
Anträge, Gesetzentwürfe, Anfragen, Berichte und die Zuordnung jedes Vorgangs zu den beteiligten Abgeordneten.
Plenarprotokolle (XML)
Jede Rede im Wortlaut, mit Redner:in und Wortzahl. Grundlage der Reden-Komponente.
Namentliche Abstimmungen (XLSX)
Das Stimmverhalten jedes einzelnen Mandats, einschließlich der nicht abgegebenen Stimmen.
MdB-Stammdaten
Das amtliche Abgeordnetenverzeichnis seit 1949: Mandate, Fraktionen, Wahlkreise — und die Ausschussmitgliedschaften der laufenden Wahlperiode.
abgeordnetenwatch.de
Ergänzende Angaben zu Person und Tätigkeit sowie eine zweite Fassung der Abstimmungsdaten zum Abgleich. CC0.

Open-Data-Portal des Bundestagesabgeordnetenwatch-API

Quelle aller amtlichen Angaben ist der Deutsche Bundestag. Bundestracker ist kein Angebot des Bundestages und wird von ihm weder betrieben noch geprüft.

Zeitliche Abdeckung

Die Quellen reichen unterschiedlich weit zurück. Das ist keine Lücke im Abruf, sondern eine Grenze der Veröffentlichung — und sie entscheidet darüber, ob eine Null „gemessen“ oder „nie veröffentlicht“ bedeutet.

AbgeordnetenverzeichnisVerfügbar ab: 1949
Der Stammdaten-Datensatz enthält jedes Mandat seit dem 1. Bundestag.
Anträge, Anfragen, Gesetzentwürfe, BerichteVerfügbar ab: WP14 (1998)
Das DIP erfasst alle hier dargestellten Wahlperioden vollständig.
Reden und WortzahlenVerfügbar ab: WP18 (2013)
Frühere Sitzungen erscheinen nur als PDF; ohne Protokoll-XML gibt es keine maschinenlesbare Rede.
Namentliche Abstimmungen je MandatVerfügbar ab: September 2019
Vor diesem Datum veröffentlicht der Bundestag die Abstimmungslisten nur als PDF, ohne auswertbare Tabelle.
AusschussmitgliedschaftenVerfügbar ab: nur laufende Wahlperiode
Die Stammdaten sind die einzige maschinenlesbare Quelle und führen Ausschüsse ausschließlich für die aktuelle Periode.

Werte verschiedener Wahlperioden sind deshalb nicht vergleichbar: Ein Mandat der 16. Wahlperiode hat null Reden und null Abstimmungen, weil dazu nichts veröffentlicht ist — nicht, weil es geschwiegen und gefehlt hätte.

Abweichung von der Fraktionslinie

In den namentlichen Abstimmungen ist erkennbar, wer anders gestimmt hat als die Mehrheit der eigenen Fraktion. Das ist eine der wenigen Stellen, an denen die Daten etwas über das Verhalten einer Person sagen — und deshalb die Stelle, an der die Grenzen des Aussagbaren am engsten gezogen sind.

Erfasst wird
Eine abgegebene Stimme, die von der Mehrheitsposition der eigenen Fraktion in derselben Abstimmung abweicht.
Nicht erfasst wird
  • Fraktionszwang oder -disziplin: Ob es zu einer Abstimmung überhaupt eine Vorgabe gab, wird nirgends veröffentlicht. Eine Abweichung ist eine abweichende Stimme, kein Ungehorsam.
  • Abwesenheit: Eine nicht abgegebene Stimme widerspricht nichts und zählt nicht als Abweichung.
  • Eine exakt gespaltene Fraktion: Ohne Mehrheit gibt es keine Linie, von der abgewichen werden könnte — solche Abstimmungen bleiben außer Betracht.
  • Fraktionslose Abgeordnete: Ohne Fraktion fehlt der Vergleichsmaßstab.

Nur namentliche Abstimmungen werden pro Abgeordneter erfasst. Die meisten Beschlüsse fallen per Handzeichen und hinterlassen kein individuelles Stimmergebnis — diese Liste ist deshalb kein vollständiges Abstimmungsverhalten.

Nahezu alle namentlichen Abstimmungen verlaufen innerhalb der Fraktionen einstimmig; aussagekräftig ist deshalb der Abstand zwischen 97 % und 99 %, nicht die Höhe an sich. Nicht abgegebene Stimmen bleiben außer Betracht — Abwesenheit ist keine Abweichung. Abstimmungen, in denen eine Fraktion exakt gespalten war, haben keine Linie und zählen nicht.

Grundsätze

Jede Zahl hat einen Beleg
Zu jedem Eintrag führt ein Link auf die Drucksache, das Protokoll oder die Abstimmungsliste, aus der er stammt. Nichts auf dieser Seite ist geschätzt, interpoliert oder fortgeschrieben.
Ungenaue Zahlen sind als solche gekennzeichnet
Zwei der Kennzahlen auf der Startseite lassen sich nicht exakt zählen, ohne das Leselimit einer Abfrage zu sprengen. Sie tragen deshalb ein „+“: „5.000+“ heißt „mindestens 5.000“. Eine Untergrenze, die als Gesamtzahl gelesen wird, wäre die unehrlichere Darstellung.
Das untere Ende der Rangliste trägt keine Platzziffern
Die Startseite zeigt beide Enden der Rangliste — ein Tracker, der nur die Spitze veröffentlicht, veröffentlicht eine Auswahl. Das untere Ende erscheint aber ohne Rangnummern: „Platz 1“ läse sich dort als „inaktivstes Mandat des Bundestages“, und diese Behauptung stützt eine Auswahl von fünf Zeilen nicht.
Lücken werden ausgewiesen, nicht gefüllt
Ein noch nicht berechnetes Mandat erscheint als „nicht bewertet“ und nicht als Null. Eine unbekannte Aktivitätsart wird gezählt und angezeigt, statt still mit null gewichtet zu werden. Eine synthetische Darstellung — etwa die Sitzverteilung — sagt auf der Seite selbst, welcher Teil erfunden ist.
Der Quellcode ist offen
Berechnung, Datenpipeline und Oberfläche sind öffentlich einsehbar. Wer eine Zahl anzweifelt, kann nachlesen, wie sie entsteht.

Synthetische Darstellung: Die Größe jeder Fraktion ist amtlich belegt, die Position eines einzelnen Sitzes nicht. Für die tatsächliche Sitzordnung des Bundestages existieren keine maschinenlesbaren Daten — die Plätze im Bogen sind daher willkürlich vergeben.

Datenschutz

Keine Statistik, keine Werbung, keine Weitergabe
Bundestracker bindet keine Analyse-, Werbe- oder Trackingdienste ein. Es gibt keine Zählpixel und keine Profilbildung, und es werden keine Daten an Dritte übermittelt.
Nur ein Cookie, und nur nach Anmeldung
Ohne Konto setzt die Seite kein Cookie. Sprache und Design werden lokal im Browser gespeichert (localStorage). Das Design verlässt das Gerät nie; die Sprache nur dann, wenn Sie sie in den Einstellungen ausdrücklich im Konto speichern — damit sie auf ein anderes Gerät mitkommt. Wer sich anmeldet, erhält ein Sitzungscookie — mehr nicht.
Ein Konto ist freiwillig
Alle Daten sind ohne Anmeldung vollständig einsehbar. Ein Konto speichert drei Dinge: eigene Gewichtungen des Aktivitätswerts, die Liste der gefolgten Abgeordneten und — sofern Sie das wählen — Ihre Sprache.
Zu den Abgeordneten selbst
Über Abgeordnete werden ausschließlich Angaben angezeigt, die der Bundestag oder abgeordnetenwatch selbst veröffentlichen und die ihr Mandat betreffen. Persönliche Kontaktdaten werden nicht erhoben: Das Abgeordnetenverzeichnis führt keine, und die eigenen Webseiten der Abgeordneten werden dafür nicht ausgewertet.

Anmelden ist optional. Alle Daten sind ohne Konto einsehbar; ein Konto speichert eigene Gewichtungen und gefolgte Abgeordnete.

Etwas fehlt oder ist falsch?

Fehler in den Daten und Einwände gegen die Methodik gehören ins öffentliche Repository. Beides ist willkommen: Eine Kennzahl, die niemand prüfen kann, ist keine.

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